Interviews

Interviewt – Rainer vom Blog ‚Holz Notizen‘

Rainer betreibt seinen Blog ‚Holz Notizen‚ schon seit 2010 und dokumentiert dort seine verschiedenen Holzprojekte. Er war so nett und hat uns ein paar Einblicke in sein Hobby und seine Arbeitsweise gegeben. Herausgekommen ist ein interessantes Interview:

Hallo Rainer. Bitte stell dich meinen Lesern kurz vor.

Ich bin ein spätberufener Holzwerker, und habe erst Ende Dreißig dieses Hobby für mich entdeckt. In meinem Brotberuf arbeite ich in der IT-Branche und dachte: „Genug jetzt! Jetzt musst du mal was Anständiges machen!“ – Naja, ganz so dramatisch war’s freilich nicht. Aber ich finde Handwerk einen befriedigenden Ausgleich zur Bürobeschäftigung.

Holz-Notizen

Wann hat dich das „Holzwerken-Fieber“ gepackt? Wie war dein Weg dahin?

„Vom Holzwerken-Fieber gepackt“ trifft es recht gut. Es hätte bloß eine einmalige Aktion werden sollen. Damals – 2010 – fand ich kein passendes Hifi-Möbel. Deshalb ließ ich mir im Holzfachhandel Buche Leimholz zuschneiden, schnappte meine gesamte Werkzeugausstattung –  Stichsäge, Bohrmaschine, Schraubenzieher -, kaufte noch Leim und Dübel und baute es nach eigenem Plan auf einem alten Schreibtisch zusammen.

Am Ende war ein Möbel fertig – der Prozess des Bauens und der Stolz des Selbstgeschaffenen war aber so befriedigend, dass damit ein neues Hobby seinen Anfang nahm.

Du betreibst den Blog Holz Notizen. Was genau findet man dort?

Auf meinem Blog dokumentiere ich viele meiner Projekte: z.B. Tische, Notenständer, Truhe, Werkbank, Nähtisch, Computergehäuse, Hocker und anderes.

Ich zeige die wichtigsten Schritte im Bau, die darstellen sollen, wie ich bestimmte Anforderungen gelöst habe, welche Methoden ich verwendet habe, aber auch welche Fehler ich gemacht habe.

Seit wann ist dein Blog online und wie waren die Anfänge?

Nach der erwähnten Initialzündung stand gleich die nächste konkrete Anforderung im Raum. Meine Tochter kam in die Schule und brauchte einen Schreibtisch. Dies sollte mein erstes richtiges  Projekt werden.

Diesmal wollte ich nicht mehr mit fertigen Zuschnitten vom Holzhändler arbeiten, sondern mit „echtem“ Holz als Ausgangsmaterial, d.h. direkt mit sägerauhen Bohlen. Werkzeugtechnisch hatte ich schon etwas aufgerüstet und manches Werkzeug angeschafft, mit dem ich in meinem Leben noch nicht gearbeitet hatte.  Ich musste Vieles von der Pike auf lernen. Neben Literatur halfen mir auch einschlägige Foren und Blogs anderer Holzwerker überall auf der Welt.

Mir gefällt die Idee, Erfahrungen mit anderen zu teilen. So wie mir andere Beiträge helfen so hoffe ich, dass auch meine Blogeinträge anderen helfen oder inspirieren. So habe ich also mein erstes „echtes“ Projekt gleich fleißig mit fotografiert und online gestellt. Das war Ende 2010.

Welche Werkzeuge und Maschinen kommen bei dir am häufigsten zum Einsatz? Hast du einen „Liebling“?

Ich arbeite überwiegend mit Elektrowerkzeugen und Maschinen, aber nicht ausschließlich. Auch Handwerkzeuge kommen zum Einsatz, beispielsweise beim Zinken und Stemmen von Verbindungen oder beim Hobeln mit Handhobeln. Das Arbeiten mit Handwerkzeugen hat etwas sehr Beruhigendes in sich, es ist fast schon meditativ. Dennoch könnte ich mir nicht vorstellen, ein größeres Projekt ohne Maschinen zu bewerkstelligen. Bis viel rohes, krummes Holz besäumt, grob abgelängt und dann zu maßhaltigen Holzbauteilen gehobelt ist, fließen bei einem umfangreicheren Projekt schon viele Arbeitsstunden hinein – und zwar mit Zuhilfenahme von Maschinen. Wer das rein mit Handwerkzeugen vollbringt, muss schon respektable Fertigkeiten und eine geduldige Ausdauer mitbringen. Als reiner Wochenend-Holzwerker bin ich auf Maschinen angewiesen, möchte ich mehr als zwei Projekte pro Dekade fertigbringen.

Welches Werkzeug ich am liebsten habe, kann ich gar nicht beantworten. Ich freue mich über alle Werkzeuge, mit denen ich eine Aufgabe erfolgreich lösen kann. Von der Tischkreissäge (die sicherlich zu den am häufigsten gebrauchten Maschinen bei mir zählt) über die Hobelmaschine (ohne die es kein gerades Holz gibt); von der Handsäge bis zum scharfen Stemmeisen (ohne die beiden ich keine Zinkenverbindung machen könnte); von der Lamello- bis zur Dominofräse (die beide wunderbar schnelle und einwandfreie Verbindungen erlauben); vom Band- zum unverzichtbaren Exzenterschleifer (die Holzoberflächen erst zu Handschmeichlern machen); vom Streichmaß zur Schmiege (mit denen man genaues arbeiten teils ohne messen zustande bringt); usw. usw.

Wenn man öfters in verschiedenen Situationen zu einem gewissen Werkzeug greift, merkt man erst, dass es sinnvoll angeschafft wurde. Für einen beginnenden Amateur ist das nicht so selbstverständlich wie es klingen mag. Ich habe auch Werkzeug gekauft, das ich letztlich doch nie oder kaum verwendet habe. Z.B. habe ich meinen Gehrungsverleimfräser für die Oberfräse in guter Absicht angeschafft, letztlich aber nie produktiv eingesetzt, weil mir die Einstellerei zu mühsam ist (in der Zwischenzeit habe ich die Gehrung schon 10 mal stumpf oder mit Lamellos verleimt). Oder mein Doppelschleifbock, bei dem ich vor langer Zeit dachte, dass ich damit Hobelmesser oder Stemmeisen schleifen könnte, der aber bald Wassersteinen das Feld überlassen musste.

Letztlich kann ich nur empfehlen, Werkzeuge gezielt nur bei ganz konkretem Bedarf zu kaufen, und nicht weil es einen im Angebot anlacht und man meint, irgendwann wird man es schon brauchen können. Also z.B. lieber einen guten (teuren) Fräser als das 40-teilige Set, bei dem man nach 5 Jahren ohnehin nur den einen (manchmal minderwertigen) Nut- oder Abrundfräser verwendet hat.

Du verwendest teilweise die 3D-Modellierungssoftware SketchUp. Würdest du sie anderen (angehenden) Holzwerkern empfehlen?

Pauschal lässt sich das schwer sagen. Der Einsatz eines solchen Programmes muss zur individuellen Arbeitsweise passen. Mir hilft es, um mir eine Vorstellung zu verschaffen, wie ein künftiges Möbel in etwa wirken wird. Wenn ich eine erste Idee mal mit SketchUp visualisiere, komme ich manchmal erst dadurch drauf, dass bestimmte Proportionen nicht passen oder Elemente klobig wirken. Das kann ich dann im Programm ändern und nähere mich so einem „finalen“ Entwurf an. Ein anderer nimmt dafür aber vielleicht lieber Bleistift, Papier und Lineal.

Auf der anderen Seite plane ich ein Projekt nicht bis ins Detail mit SketchUp. Denn die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es manchmal während des Bauens doch etwas anders kommt als geplant und man sowieso vom Plan abweichen muss. Daher möchte ich nicht zuviel Zeit in den 3D-Entwurf stecken. Auch wenn SketchUp wie erwähnt beim ersten Visualisieren hilft, während des Baufortschrittes erlange ich dann doch noch manchmal einen ganz anderen Eindruck oder ändere gewisse Designentscheidungen. Da will ich mich deshalb nicht schon im Vorfeld zu stark an einen Entwurf binden lassen.

Wenn man aber eine Modellierungssoftware verwenden möchte und neu auf dem Gebiet ist, dem bietet SketchUp meiner Meinung nach einen sehr leichten Einstieg. Die wesentlichen Funktionen sind schnell gelernt und die Bedienung ist meist intuitiv und flott. Dass es eine Gratisversion gibt, ist für einen Hobbyisten wie mich natürlich besonders angenehm. Bleibt zu hoffen, dass diese Version auch längerfristig weitergeführt wird, seit SketchUp von Google an das Unternehmen Trimble verkauft wurde.

Wo soll es mit deinem Blog Holz Notizen zukünftig noch hingehen?

Hin und wieder reizt es mich, nicht nur Möbel & Co zu dokumentieren, sondern auch Projekte in und um die Werkstatt. Für viele Arbeiten baut sich der gemeine Holzwerker seine Hilfsvorrichtungen, Schablonen, Werkstatthilfen und dergleichen. Dies lasse ich bislang allerhöchstens implizit einfließen, im Rahmen einer der bestehenden Dokumentationen. Manchmal spiele ich mit dem Gedanken, auch solchen Dingen einen eigenen Raum zu geben. Da ich aber nicht über mangelnde Auslastung klagen kann, sind diese Extrathemen erst mal hintangestellt.

Gleiches gilt für die Erstellung von Videos statt reiner Foto-/Text-Dokumentationen. Auch das habe ich mir schon des Öfteren vorgenommen, aber aus zeitlichen Gründen bislang nicht in Angriff genommen. Aber vielleicht ist es irgendwann dann doch soweit…

Zum Schluss würden wir uns noch über 3 wichtige Tipps freuen, die man deiner Meinung nach beim Kauf einer Handkreissäge besonders berücksichtigen sollte?

Eine Handkreissäge war einer meiner ersten Anschaffungen. Mein erstes Projekt – den Schreibtisch meiner Tochter – habe ich fast ausschließlich mit der Handkreissäge gebaut. Erst ganz am Ende gesellte sich eine erste alte, gebrauchte Tischkreissäge dazu.

Zu den Eigenschaften, die ich an meiner Handkreissäge sehr schätze und die ich als Merkmale für die Anschaffung empfehlen kann, zählen:

  • Die Handkreissäge sollte sich auf jeden Fall auf einer Führungsschiene führen lassen – das Um und Auf für genaue, maßhaltige Schnitte. Gibt es keine passende Führungsschiene vom Hersteller oder von Dritten, dann unbedingt selbst ein Pendant dazu bauen (eine Hartfaserplatte mit aufgeschraubter/geleimter Führungsleiste ist allemal besser als nichts).
  • Will man damit rohe Bohlen besäumen, ist ein Spaltkeil empfehlenswert.
  • Eine Motorelektronik mit Anlaufverzögerung reißt beim Einschalten nicht am Handgelenk und eine Motorbremse ist ein sehr empfehlenswertes Sicherheitsfeature.
  • Lässt sich die Kreissäge gut absaugen, spart das unglaublich viel Sauerei.

In diesem Sinne: frohes Werken!

Vielen Dank Rainer für das nette Interview.