Interviews

Wolfram Herzog von holzundleim.de im Interview

Unsere Interview-Reihe geht weiter und so tauchen wir heute einmal etwas ein in die Welt von Wolfram Herzog – Betreiber des Blogs holzundleim.de. Herausgekommen ist ein interessantes Interview mit vielen Infos und Insider-Wissen. Abschließend gibt Herr Herzog 3 Tipps, die man beim Kauf einer Handkreissäge/Tauchsäge berücksichtigen sollte.

Hallo Herr Herzog. Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Mein Name ist Wolfram Herzog. Ich bin Dipl.Ing.(FH) für Feinwerktechnik, verheiratet und Vater von fünf Kindern. Meine Brötchen verdiene ich als Geschäftsführer der SIC Software GmbH, einem Softwarehaus für mobile B2B Lösungen. Das Holzwerken ist dabei neben dem Radfahren mein kreativer Ausgleich.

Wann hat Sie das „Holzwerken-Fieber“ gepackt? Wie kamen Sie dazu?

Das gab es latent in Form von kleineren Heimwerkereien schon immer, aber im Sommer 2011 brauchte ich für die Aufbewahrung von Werkzeugen einen stabilen Schrank mit vielen Schubladen. Da es nichts Passendes zu kaufen gab, hatte ich mich dann entschlossen, hier etwas selbst zu bauen.

Das Material habe ich damals noch im Baumarkt gekauft – eine langwierige Sache und gerade beim Holz für die gebotene Qualität eigentlich viel zu teuer. Aber das war der Einstieg. Das Ergebnis hat gefallen und so folgten noch diverse andere Kleinmöbel. Dabei wurde die Arbeitsweise immer weiter verfeinert und so ging das immer weiter :-).

holzundleim.de

Blog holzundleim.de von Wolfram Herzog

Seit wann ist Ihr Blog online und wie waren die Anfänge?

Den Blog „HolzundLeim.de“ habe ich im Sommer 2012 gestartet, als ich bei DICTUM einen Holzwerken-Kursus zum Bau einer Hobelbank besucht habe. Referent war der bekannte Buchautor Christopher Schwarz (LostArtPress) aus den USA. Und natürlich wollten eine Reihe von Freunden und Bekannten auf dem Laufenden gehalten werden, was da so rauskommt. Und da Facebook nicht unbedingt mein Ding ist habe ich der Einfachheit halber einen Blog gestartet.

Sie betreiben den Blog holzundleim.de. Was genau findet man dort?

Wie der Untertitel schon sagt, ist das ein Blog für pragmatisches Holzwerken. Es steht also das Umsetzen eines Projektes oder das Lösen einer Aufgabenstellung im Vordergrund. Dabei versuche ich meine Arbeitsweisen so zu zeigen, dass diese von jedem interessierten Leser nachvollzogen werden können. Die eingesetzten Methoden wähle ich aufgabenbezogen, um ein für mich optimales Ergebnis zu bekommen. Das kann in einem Fall bedeuten dass ich nur mit Handwerkzeugen arbeite um neue Arbeitsweisen zu erproben. Oder aber das andere Mal sehr viel auf Maschinen setze um das Projekt in kurzer Zeit zu realisieren, weil es dringend gewünscht wird.

Welches Holz-Projekt hat Sie bisher am meisten gefordert? Und warum?

Jedes neue Projekt ist immer wieder eine neue Herausforderung. Wenn möglich baue ich ein kleineres Vorprojekt um die Arbeitstechniken zu erproben, bevor ich das „Große Ding“ starte. Ein Beispiel ist das Projekt „Mehrteilige Schrankwand“. Da habe ich zuvor das Projekt „kleines Sideboard“ gebaut, um die Dimensionierung und den Bau von Schiebetüren einmal praktisch zu erproben. Die Hauptherausforderung bei der Schrankwand war dann die maßgenaue Vorplanung der Konstruktion. Aufgrund der schieren Masse von Holz hatte ich mich entschlossen die Teile beim Holzhändler zusägen und mit Umleimern versehen zu lassen. Da müssen natürlich alle Maße millimetergenau geplant und mehrfach auf Denkfehler geprüft werden.

Woher holen Sie sich Ideen und Anregungen für Ihre Projekte?

Meine Projekte sind meistens von aktuellen Wünschen meiner Familie inspiriert. Mit der konkreten Umsetzung gehe ich dann immer eine Weile in mich und durchdenke die verschiedenen Möglichkeiten. Das betrifft Material, Bauweise, Bearbeitungsmöglichkeiten. Die schlussendlich umgesetzten Lösungen orientieren sich an den Eigenschaften des verwendeten Materials und an meinem verfügbaren Werkzeug.

Um Ideen für Design und Formgebung zu bekommen schaue ich mich oft bei Pinterest um. Hier findet man schnell eine Menge Anregungen.

Wo soll es mit holzundleim.de zukünftig noch hingehen?

Das werden die kommenden Projekte zeigen. Für das Jahr 2015 steht der Bau etlicher Möbel aus Massivholz auf der Agenda. Da wird es sicher eine Menge neuer Erkenntnisse zum Thema Konstruktion und Bau von Möbeln in verschiedener Größe geben. Und natürlich neues Werkzeug und neue Arbeitsweisen. Einfach mal auf HolzundLeim.de vorbeischauen und sich überraschen lassen.

Zum Schluss würden wir uns noch über 3 wichtige Tipps freuen, die man Ihrer Meinung nach beim Kauf einer Handkreissäge besonders berücksichtigen sollte?

Das hängt davon ab, was man mit der Handkreissäge machen will. Für einfaches Heimwerken wie das Zusägen von OSF-Platten für den Innenausbau oder zum Ablängen von Zaunlatten kann man fast jede Handkreissäge benutzen. Allerdings sind bei den preiswerten Handkreissägen ab Werk oft sehr minderwertige Sägeblätter dabei. Wenn man hier in ein gutes Markensägeblatt passend zum zu sägenden Material investiert erhält man deutlich bessere Ergebnisse.

Spannend wird es, wenn man in den Möbelbau einsteigen will. Dann ist eine Handkreissäge mit einer guten Führungsschiene aus Metall unverzichtbar. Ansonsten wird es sehr schwer, passgenaue Schnitte zu führen und wenn nichts wirklich passt, macht der Möbelbau keinen Spaß.

Und zum Schluss: Wer in der heimischen Wohnung arbeiten muss, der sollte auf eine Säge mit guter Staubabsaugung über einen angeschlossenen Staubsauger achten. Das bieten in der Regel aber nur die höherwertigen Handkreissägen mit Preisen von 300 EUR aufwärts. Alternativ kann man zum Sägen natürlich auch auf den heimischen Balkon gehen :-).

Vielen Dank Herr Herzog für das nette Interview!